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RegeraufdemFelsenSie haben mich schon lange beschäftigt, die beiden Bilder der „Ochsenkopfpartie“ von Max Reger und seinem Lehrer Adalbert Lindner vom 14. August 1901. Fotograf Hausmann hat die beiden aufgenommen, man wanderte im Anzug, mit Hut und Halbschuhen, Reger unterstützt durch „Dampfkraft“, mit einer Zigarre zwischen den Fingern.

Findige und fündige Spurensuche 

Bei Wanderungen, beim Skilanglauf auf dem Ochsenkopf hielt ich oft die Augen nach einem abgerundeten Wollsackfelsen wie auf dem Foto offen, doch solche gibt es dort ja zu Tausenden. Ein Jugendfreund, der Landschaftsarchitekt Rainer Küstner aus dem nahen Warmensteinach hatte den weiter führenden, geradezu detektivischen Ansatz: den Blick in eine historische Karte um 1900: Da fand sich ein einziger gängiger Weg von Mehlmeisel über Fichtelberg, vorbei an der Fichtelnaabquelle und dem Weißmainfelsen zum Ochsenkopfgipfel. Der Volksschullehrer Adalbert Lindner war in Heimatkunde beschlagen, der wusste das natürlich. Der Weg existiert noch heute. Darüber hinaus ist auf der historischen Fotografie eine Horizontlinie zu sehen, eine solche sieht man aber nur auf etwa 300 Meter des Weges. Dann ist die Fototechnik von 1901 mit schwerem Stativ und Glasplatten zu berücksichtigen: Herr Hausham hat diese Ausrüstung sicher nicht abseitig durchs Unterholz oder drei Kilometer auf den Berggipfel geschleppt.

RegeraufdemFelsenBei mehrmaligem Begehen entdeckte Küstner dann talwärts des Wegs einen völlig zugewachsenen kleinen Hügel, er sollte sich als Fels erweisen. Gute Kontakte zur Forstverwaltung erlaubten die Freilegung, Spenden die Gestaltung des Platzes mit einer Gedenktafel. Der Fels (etwa 400 Meter nach Ortsgrenze des Naabquellenwegs Fichtelberg) hat exakt die Konturen wie der auf dem historischen Bild, sogar eine identische Scharte. Links daneben kam unter dem Humus zudem ein konkaver Fels zum Vorschein, auf dem Reger und Lindner stehend abgebildet sind, inklusive einem Fussball-großen aufliegenden Stein, auch war ist schon 1901 zu sehen.

Sommerfrische Fichtelgebirge 

Im August 1901 stand der 28-jährige Reger vor seinem Umzug mit den Eltern nach München. Der Ausflug nach Mehlmeisel zu Lehrer Xaver Näger war eine Art Abschieds-Sommerfrische. Lindner schreibt darüber in seiner Reger-Biografie (S. 246ff). Die beiden und Lindners 10-jähriger Sohn Max (sic!) fuhren mit dem Zug von Weiden nach Reuth bei Erbendorf und gingen dann zu Fuß die rund 25 km nach Mehlmeisel, sie besuchten auch Regers Geburtsort Brand. Es waren viele Sommerfrischler da aus Dresden, Leipzig und Hof, Kaufleute, Lehrer, Professoren. sicher hat der kommunikative Max Reger da Kontakte geknüpft. Vormittags ging man spazieren, nachmittags musste Reger immer wieder auf dem Klavier der Nägers spielen, seine „prachtvollen Improvisationen zum besten geben“ und „seinem Humor die Zügel schießen lassen“. Am Abschiedstag spielte dann die Dorfkapelle (Geige, Klarinette, Trompete, Gitarre, Bass). Beim einleitenden Marsch tauchte zur allgemeinen Erheiterung Reger mit zwei blechernen Topfdeckeln auf und steuerte den Rhythmus bei „dass die Funken stoben“.

Überwundene Lebenskrise

GruppeDie „Ochsenkopfpartie“ (hin und zurück rund 10 km) verrät einiges über Reger: 1898 musste er nach einer schweren Lebenskrise aus Wiesbaden nach Weiden ins Elternhaus zurückkehren. Eine große Belastung für die Eltern, ihren vermeintlich „gescheiterten Sohn“ wieder aufzunehmen. Doch konnte Reger in Weiden wieder zu sich finden und die Krise dank seiner Schaffenskraft und der Hilfe von Freunden wie dem Lehrer Adalbert Lindner überwinden.

Bei der „Ochsenkopfpartie“ erleben wir ihn fit, schlank und gut zu Fuß. Er war bodenständig, heimatnah, leutselig, humorvoll, „urfidel“ (eines seiner Lieblingsworte), für jeden Spaß zu haben. Max Reger war alles andere als ein abgehobener intellektueller Komponist. Aus seinem enormen Können machte er nicht viele Worte. Immerhin hatte er zwischen 1898 und 1901 in Weiden die grandiosen Choralphantasien für Orgel, die „B-A-C-H“ op. 46 und die kühne Symphonische Fantasie und Fuge op. 57 komponiert. 

ViolonistinNebenbei erfahren wir auch, dass Reger (wie Brahms oder Johann Strauss) ein schlechter Tänzer war. Die Liebe zu gutem Trunk und Rauch ist unverkennbar, sie wird ihn nicht loslassen. Auch erscheint seine Strategie, unangenehmen Aufgaben aus dem Weg zu gehen: Während er in Mehlmeisel war, mussten seine Eltern und die Schwester den Umzug nach München am 31. August vorbereiten. Reger resümiert in einem Brief vom 17. August 1901: „Es waren reizende Tage in Mehlmeisel!“

Dr. Jürgen Schaarwächter hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Max-Reger-Instituts Karlsruhe bei der Fels-Einweihung gesprochen. Für das nächste Heft der Mitteilungen der Internationalen Max-Reger-Gesellschaft wird er den Aufsatz "Ochsenkopfpartie 1901 - 2021" beisteuern und so den Felsen einem weiten Interessentenkreis bekannt machen.

Peter K. Donhauser, StD a.D. 

ehemaliger Musiklehrer am MRG 

Bilder: 

Adalbert Lindner und Max Reger auf dem konkaven Felsen, links der runde Felsbrocken.

„Ochsenkopfpartie“

Max Reger auf dem Felsen, mit Hut und Zigarre (14. August 1901)

Prof. Yamei Yu (Musikhochschule Düsseldorf) spielte bei der Einweihung Regers Sonate für Violine solo op. 91/2.

Die glücklichen Akteure nach der Einweihung (von links):Bernhard Kraus (Fichtelgebirgsverein, Forstverwaltung), Dr. Schaarwächter,Prof. Yamei Yu, Peter K. Donhauser, Rainer Küstner

Schautafel am Reger-Felsen  

Anschlagtafel

logo internatInternat Max-Reger

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